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Donnerstag, 5. Juli 2012

Das schlanke <b>Möbel</b>-Imperium

Paderborn. Ein weiß getünchter eingeschossiger Flachdachbau auf einem riesigen, fast verwaisten Industriegelände im Herzen von Paderborn: Franz-Gert Schlüting führt die Welle Holding AG + Co. KG von einer recht bescheidenen Zentrale aus. Gemeinsam mit Werner Welle und nur 5 Mitarbeitern kontrolliert er von hier aus eine Gruppe von Möbelunternehmen mit 4.500 Beschäftigten. Typisch ostwestfälisch, so könnte man sagen, und extrem schlank, wie Schlüting lächelnd einräumt.
KG mit Sitz in Paderborn
Die Welle Holding AG und Co. KG hat ihren Sitz in Paderborn. Die geschäftsführende Aktiengesellschaft hat ihren juristischen Sitz allerdings im Kanton Zug in der Schweiz. Die Konstruktion sei schon 1992 bei der Einrichtung der Holding gewählt worden, steuerliche Vorteile biete sie heute nicht mehr.Die Vorstände Werner Welle und Franz-Gert Schlüting sind nach schweizerischem Recht entsprechend "Direktoren". (mika)
Die wichtigsten Welle-Firmen sind der Polstermöbelhersteller Himolla (Taufkirchen/2.300 Mitarbeiter), die auf Speisezimmer spezialisierte Himolla-Tochter K&W (200 Mitarbeiter), der im oberen Preissegment angesiedelte Küchenmöbelhersteller Leicht (Waldstetten/knapp 500 Mitarbeiter), der marktführende Baby- und Kindermöbelhersteller Paidi (Hafenlohr/600 Mitarbeiter) und der für Ikea tätige Lohnfertiger Bürstadt Furniture (250 Mitarbeiter). "Wir arbeiten als Finanzholding mit einer dezentralen operativen Führung", erklärt Schlüting. Die Töchter berichten monatlich über ihre Entwicklung, über die Strategie wird in Paderborn entschieden, aber alle Firmen seien selbstständig und allein lebensfähig.

Früher habe es Versuche gegeben, bestimmte Aufgaben wie den Einkauf zentral zu erledigen, um Größenvorteile zu realisieren "Aber wir haben nur Sand ins Getriebe bekommen", stellt Schlüting fest. Starke Geschäftsführer in den Tochterfirmen, so die Erkenntnis, bevorzugen Eigenständigkeit.
Schlüting, der im Januar 60 wurde, führt die Holding seit 20 Jahren. Der gebürtige Bürener heuerte bereits 1976, nach dem BWL-Studium in Bielefeld, bei Welle an. Dem 1898 gegründeten Unternehmen blieb er treu und erlebte hier Höhen und Tiefen: Erst den Aufbau zu einem der größten Möbelimperien Deutschlands, zu dem zeitweise auch der Polstermöbler Rolf Benz gehörte und der Schulmöbelhersteller Flötotto.

Dann folgte 2002 die für Außenstehende überraschende Pleite der Unternehmens-Keimzelle, der Welle Möbel GmbH mit Fabriken in Paderborn und anderen ostwestfälischen Standorten. "Wir standen am Rand des Abgrunds", erinnert sich Schlüting an schwierige Jahre. Die Eigentümer ? die Familien des Paderborners Werner Welle und seines Bruders Hans ? hatten zuvor hohe Belastungen in Kauf genommen, um den Paderborner Kastenmöbelhersteller zu retten, so deutet Schlüting an.

Vier Manager kauften Welle Möbel 2004 aus der Insolvenz und schafften unter dem Namen Wellemöbel den Neuanfang. Inzwischen haben sich Führung und Gesellschafterkreis dort erneut verändert, doch das ist eine andere Geschichte: "Es gibt keine Verbindung mehr", betont Schlüting die Unabhängigkeit der beiden Firmengruppen.

Die Welle Holding habe es "mit Glück und viel Arbeit" geschafft, wieder erfolgreich zu werden. Der Umsatz habe gruppenweit 2011 etwa 470 Millionen Euro erreicht und damit das Niveau der Zeit vor der Finanzkrise 2008/09 übertroffen. "Wir können nicht klagen und sind im Moment mit allen Unternehmen zufrieden", sagt Schlüting.

Die Eigenkapitalquote beziffert er mit 26 Prozent, die Exportquote sei mit knapp unter 50 Prozent relativ hoch. Eine Tatsache, die in der Finanzkrise durchaus problematisch war, wie Schlüting sagt. Unter der europaweiten Kaufzurückhaltung und dem Wegbrechen wichtiger Märkte von den Niederlanden bis Russland litt etwa die Küchentochter Leicht ähnlich wie andere Küchenhersteller.

"Inzwischen sind wir aus allen Probleme weitgehend heraus", sagt Schlüting. 2012 sei wie 2011 bisher ein Wachstumsjahr, die Zahlen liegen bei Umsatz und Auftragseingang über dem Vorjahr. Abenteuerlustig sei die Welle Holding aber nicht, antwortet er auf die Frage nach möglichen weiteren Übernahmen: "Es gibt Angebote, aber wir sind sehr, sehr vorsichtig. Wir bleiben auf solidem Kurs."


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